Mythen Und Wahrheiten Über Krampfadern Und Besenreiser

Fakten oder Mythen Krampfadern

Die meisten Menschen ziehen sich im Laufe ihres Lebens die ein oder andere Krampfader zu oder leiden unter Besenreisern. Obwohl Krampfadern sehr weit verbreitet sind, kursieren immer noch Mythen rund um die Entstehung, die Ursachen, Folgen und Therapien dieses Venenleidens. Das meiste davon lässt sich ganz einfach mit ein wenig medizinischem Hintergrundwissen widerlegen.

1. Krampfadern sind nur ein kosmetisches Problem

Besenreiser als millimetergroße Vorboten von Krampfadern werden vor allem von Frauen als störend empfunden, wenn sie sich an den Oberschenkeln abzeichnen. Viele schämen sich dann, ins Schwimmbad oder an den Strand zu gehen. Tatsächlich sind Besenreiser meist harmlos. Um sie loszuwerden, stehen verschiedene kosmetische Behandlungsmöglichkeiten zur Verfügung. In manchen Fällen sind sie jedoch das erste Zeichen einer Venenschwäche und zeigen an, dass das Blut beginnt, sich in den Adern zu stauen. Besteht eine grundsätzliche Veranlagung zu Krampfadern und treiben die Betroffenen keinen Sport und ernähren sich ungesund, können aus den Besenreisern bald ausgedehnte, knotige Krampfadern werden. Falls Krampfadern nicht behandelt werden, kann es aufgrund der reduzierten Durchblutung über kurz oder lang zu Hautveränderungen kommen. In der Umgebung der Krampfadern heilen Wunden nur schlecht ab und das Risiko einer Thrombose steigt. Hat sich ein Blutgerinnsel gebildet, kann es wichtige Gefäße verschließen oder sogar eine lebensgefährliche Lungenembolie verursachen. Bei der Lungenembolie handelt es sich um die schwerwiegendste Komplikation dieser chronischen Erkrankung der Venen.

2. Junge Leute haben keine Krampfadern

Veranlagung Besenreiser Krampfadern junges Alter

Krampfadern entstehen mit der Zeit und das Risiko nimmt ganz klar mit dem Alter zu. Ob jedoch eine Veranlagung besteht, zeigt sich schon in jungen Jahren. In der Gruppe der 20-29-jährigen treten bereits Besenreiser auf, die sich mit zunehmendem Alter zu Krampfadern entwickeln können. Zudem besteht eine verstärkte Neigung zu Wassereinlagerungen in den Beinen, Hautveränderungen und "schweren Beinen". Daneben sind vor allem Frauen während der Schwangerschaft von Krampfadern oder Besenreisern betroffen.

3. Krampfadern sind ein typisches Frauenproblem

Es ist richtig, dass Frauen über ein schwächeres Bindegewebe verfügen und somit anfälliger für Krampfadern sind. Wie Statistiken zeigen (https://www.rki.de/DE/Content/Gesundheitsmonitoring/Gesundheitsberichterstattung/GBEDownloadsT/venen.pdf?__blob=publicationFile) , ist der Unterschied allerdings nicht signifikant. Frauen gehen allerdings mit Krampfadern und Venenleiden eher zum Arzt als Männer. Das liegt daran, dass die Herren der Schöpfung Krampfadern und Besenreiser als eine Lappalie abtun und erst dann zum Arzt gehen, wenn es bereits zu starken Hautveränderungen, Thrombosen oder einem offenen Bein gekommen ist.

4. Krampfadern und Besenreiser machen keine Beschwerden

Krampfadern kommen nicht alleine. In der Bonner Venenstudie (https://www.eurocom-info.de/fileadmin/freigabe/user_upload/Dokumente_eurocom/pdf_Dokumente_eurocom/Bonner_Venenstudie.pdf) geben über 50 Prozent der Befragten an, dass sie regelmäßig unter Schmerzen und Beschwerden in den Beinen leiden würden. Diese Probleme treten meist nach langem Stehen auf. Daneben kommt es häufig zu Wadenkrämpfen in der Nacht und allgemeinen Schwere- und Spannungsgefühlen sowie Schwellungen. Die Beschwerden sind dabei so stark, dass die Betroffenen sich in ihrer Lebensqualität eingeschränkt fühlen.

5. Krampfadern sind das Problem bestimmter Berufsgruppen

Langes Sitzen oder Stehen begünstigt die Entstehung von Krampfadern. Von einer Venenschwäche sind daher nicht nur Verkäuferinnen betroffen. Die heutige Arbeitswelt bringt es mit sich, dass die Menschen immer länger ohne Bewegung am Schreibtisch sitzen. Das ist für die Venen mindestens genauso belastend wie stundenlanges Stehen in einem Geschäft oder in der Gastronomie hinterm Tresen. Wer schon unter Krampfadern leidet, bemerkt am Ende eines langen Arbeitstages oft das Gefühl schwerer Beine und Schwellungen.

6. Bei Krampfadern hilft nur Schonung

Die Gesundheit der Venen kann ganz einfach im Alltag unterstützt werden, wenn kleine Strecken zu Fuß zurückgelegt oder statt dem Lift die Treppen genutzt werden. Wann immer sich die Möglichkeit bietet, sollten alle, die einer sitzenden Tätigkeit im Büro nachgehen, die Mittagspause für einen strammen Spaziergang nutzen. Alternativ bietet sich an, auf dem Weg von der Arbeit nach Hause eine Station früher auszusteigen. Statistisch liegen 800 Meter zwischen zwei Haltestellen, was einen schönen Spaziergang darstellt. Auch am Schreibtisch kann Venengymnastik gemacht werden. Es reicht schon aus, die Füße zwischendurch kreisen zu lassen oder auf Ballen und Ferse abwechselnd zu wippen. Daneben ist eine sanfte sportliche Betätigung bei Krampfadern ideal. Venenspezialisten raten dazu, Sportarten wie Walken, Radfahren oder Schwimmen zu betreiben. Der Grund: Die dort ausgeübten Bewegungsmuster aktivieren die Wadenmuskulatur und kurbeln tüchtig die Durchblutung der Beine an, ohne sie zu belasten.

7. Falsches Schuhwerk ist schuld an Krampfadern

Falsches Schuhwerk beguenstigt Krampfadern

Hohe Absätze sind chic und sexy, belasten auf Dauer auf ganz schön die Füße. Hauptsächlich zeigt sich das in Fußfehlstellungen und Hornhautbildung. Aber Krampfadern und Besenreiser alleine auf High Heels zurückzuführen wird den Fakten nicht gerecht. Klar ist, dass die Venen unter jedem Zentimeter leiden, die der Absatz höher ist. Frauen, die bereits ein Problem mit Krampfadern haben, müssen fortan trotzdem nicht ausschließlich in Gesundheitslatschen durch die Welt laufen. Dann und wann ist es völlig in Ordnung, auf hohen Hacken zu laufen. Orthopäden raten dazu, die Absatzhöhe immer zu variieren. Dazwischen sollten auch Einheiten, in denen barfuß gelaufen wird, eingebaut werden.

8. Übergeschlagene Beine fördern die Entstehung von Krampfadern

Wer kennt das nicht? Im Sitzen die Beine übereinander zu schlagen ist einfach deutlich bequemer, als beide Beine auf dem Boden zu haben. Besonders Frauen bevorzugen diese Sitzposition. Aus gesunden Beinen werden dadurch keine Krampfadern. Denn die sind immer noch Veranlagungssache. Fakt ist jedoch, dass langes Sitzen generell das Risiko erhöht, an Beinschwellungen und Beschwerden in den unteren Extremitäten zu leiden. Daher hilft es, die Sitzposition immer wieder einmal zu verändern und zwischendurch ein paar Gymnastikeinheiten am Schreibtisch einzulegen. Auch ein Igelball, von den Füßen sanft bewegt, kann helfen. Zwischendurch sollten Schreibtischarbeiter für Bewegung aller Art sorgen - und zum Beispiel zum Kopierer oder zur Toilette den längeren Weg wählen sowie bei Besprechungen mit Kollegen in einem anderen Stockwerk nicht zum Hörer greifen, sondern einfach selbst hinlaufen.

9. Urlaub im Süden ist mit Krampfadern tabu

Sonne warmes Wetter Krampfadern

Im Süden gibt es nicht mehr Krampfadern als in nördlicheren Gefilden. Die Temperatur als Grund anzuführen, bei Krampfadern oder Besenreisern nicht zu verreisen, um eine Verschlimmerung des Leidens auszuschließen, entbehrt jeder Grundlage. Wer in sonnige und tropische Gefilde fliegt, muss jedoch auf die Venen während eines Langstreckenflugs aufpassen. Viel trinken, gegebenenfalls Stützstrümpfe und eine leichte, lockere Kleidung lassen die Reise angenehm werden. Am Urlaubsziel selbst kann es passieren, dass die Krampfadern durch die Hitze selbst auffälliger hervortreten. Denn Venen dehnen sich bei Wärme aus. Hier hilft es, regelmäßig den Pool oder das Meer zur Abkühlung aufzusuchen und den Körper nicht der prallen Sonne auszusetzen. Radtouren, Wassertreten und Spaziergänge mit bloßen Füßen am Strand freuen die Venen.

10. Menschen mit Krampfadern müssen auf viel verzichten

Sauna soll angeblich tabu bei Krampfadern sein. Doch tatsächlich stellt das regelmäßige Schwitzen kein Problem dar. Zwar dehnen sich die Venen in der trockenen, heißen Saunaluft aus, der kalte Guss danach sorgt jedoch dafür, dass sich alles schnell wieder zusammenzieht. Auch das Rasieren der Beine, Epilieren oder Waxen stellt kein Problem dar. Wichtig ist nur, dass es auf der Haut keine Verletzungen oder offenen Wunden gibt. Wer sich nicht sicher ist, sollte im Zweifelsfall den Arzt fragen. Ansonsten gilt, aktiv statt passiv zu sein und mit Spaß durchs Leben zu gehen. Wichtig ist nur, bei Aktivitäten im Freien wie Joggen oder Wandern die Venen durch korrektes Schuhwerk zu unterstützen. Kompressionsstrümpfe können bei Aktivitäten im Freien zusätzlich Sicherheit geben.

11. Ab einem bestimmten Alter lohnt sich eine Behandlung von Krampfadern nicht mehr

Krampfaderntherapien werden unabhängig vom Alter durchgeführt. Allerdings ist es besser, schon in jungen Jahren der Entstehung von Krampfadern entgegenzuwirken und einen aktiven Lebensstil mit gesunder Ernährung und Sport zu pflegen. Einmal aufgetreten, können Venenleiden erhebliche Beschwerden mit sich bringen und zu Komplikationen und schwerwiegenden Folgen führen. Im schlimmsten Fall müssen die betroffenen Krampfadern durch eine Operation beseitigt werden, daneben stehen verschiedene konservative Therapiemöglichkeiten zur Wahl. Falls Senioren Angst vor einer Narkose haben, gibt es Behandlungen, die effektiv sind, aber keine Narkose erforderlich machen.

12. Krampfadern müssen immer operativ entfernt werden

Operative Entfernung von Krampfadern

Die operative Entfernung von Krampfadern sollte immer das letzte Mittel bleiben. Gewählt wird dafür häufig das Stripping-Verfahren. Hierbei werden unter Narkose die betroffenen Venen abgetrennt und herausgezogen. Es gibt jedoch auch andere Methoden, bei denen der Patient ein Arzneimittel in die betroffenen Venen gespritzt wird. Die verschließen sich daraufhin und werden vom Organismus binnen ein paar Wochen abgebaut. Bei leichteren Beschwerden kann ein Patient auch zu Salben und Cremes gegen Krampfadern greifen.

13. Gegen Krampfadern lässt sich medizinisch nichts ausrichten

Der Facharzt für Venenleiden nennt sich Phlebologe. In jeder Stadt gibt es mindestens einen dieser spezialisierten Mediziner. Dem Arzt stehen neben Ultraschall noch weitere, schmerzfreie Methoden zur Verfügung, um das Ausmaß der Krampfadern zu beurteilen. Um die Erkrankung zu behandeln, stehen dem Mediziner verschiedene Möglichkeiten zur Auswahl, die sich nach der Schwere des Krankheitsbildes richten. Bei wenig ausgeprägten Krampfadern wird der Arzt zu Venengymnastik, Medikamenten oder einer Kompressionstherapie raten. Sind die Krampfadern zu stark und bereits Beschwerden aufgetreten, kommt meist die operative Entfernung oder eine Verödung der Krampfadern durch eine Spritze infrage. Wer keinen Phlebologen kennt, lässt sich den Spezialisten vom Hausarzt empfehlen.

14. Krampfadern behandeln ist sehr teuer

Liegen nicht handfeste medizinische Gründe vor, erstatten die gesetzlichen Krankenkassen nicht die Kosten einer Krampfadernentfernung. Trotzdem sollten Patienten sich mit ihrem Arzt beraten und einen Antrag auf Kostenübernahme stellen. Es gibt auch andere Verfahren zur dauerhaften Entfernung von Krampfadern. Die Sklerotherpie erfordert keine Narkose, ist effektiv und eine kostengünstige Alternative zur Operation. Wer sich entscheidet, zunächst mit Cremes und Salben gegen die Krampfadern vorzugehen, findet ebenfalls preiswerte Präparate vor.

15. Jeder Schwangere bekommt Krampfadern

Schlimm wäre es, doch gibt es Frauen, die ihre Schwangerschaft tatsächlich ohne Krampfadern und Besenreiser über die Bühne bringen. Besteht eine grundsätzliche Neigung zur Bildung von Krampfadern, kann es in der Schwangerschaft zu einem Venenleiden kommen. Grund sind veränderte Hormonwerte, lockere Muskeln und Bindegewebe und fast die doppelte Menge an Blut, das durch die Gefäße rauscht. Das kann selbst die stärksten Venen schwächen. Gefährlich sind die Krampfadern in der Schwangerschaft in der Regel jedoch nicht.

16. Nach der Entbindung verschwinden die Krampfadern wieder von selbst

Bei den meisten Frauen haben sich die in der Schwangerschaft entstandenen Krampfadern spätestens sechs Monate nach der Entbindung zurückgebildet. Allerdings gibt es hierfür keine Garantie. Viele Frauen behalten diese "Souvenirs" auch. Kompressionsstrümpfe, Sport und andere Therapien können Linderung schaffen. Eine Operation sollte erst ins Auge gefasst werden, wenn die Kinderplanung abgeschlossen ist. Denn die Krampfadern werden mit jeder Folgeschwangerschaft mehr, sodass wieder eine Operation erfolgen müsste.

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