Krampfadern Und Besenreiser Bei Männern

Krampfadern bei Maennern

Wenn es um eine Venenschwäche geht, stehen meist die Frauen im Fokus. Zu Unrecht. Denn in Deutschland leidet jeder vierte Mann an Besenreisern oder Krampfadern. Bei vielen gehen damit zusätzlich Wassereinlagerungen (Ödeme) einher sowie Veränderungen der Haut und teilweise sehr schmerzhafte Entzündungen. Die renommierte Bonner Venenstudie, die im Auftrag der Deutschen Gesellschaft für Phlebologie durchgeführt wird (https://www.venenliga.de/index.php/presse/pressemitteilungen/65-jeder-zweite-hat-beschwerden-durch-eine-venenkrankheit-wie-krampfadern), untersucht regelmäßig die Häufigkeit und Ausprägung der Venenleiden der Bundesbürger. Dabei hat sich herausgestellt, dass sich der Prozentsatz an Männern, die unter Krampfadern und ihren Folgeschäden leiden, nicht unwesentlich von dem der Frauen unterscheidet.

Besenreiser beim Mann

Besenreiser sind kleine, netzförmige Verästelungen der Venen, die meist von den Knöcheln ausgehen. Sie sind harmlos, sollten jedoch untersucht werden, da sie ein Hinweis auf bereits bestehende oder sich entwickelnde Krampfadern geben können. Gemäß der Bonner Venenstudie leiden 58 Prozent der erwachsenen Männer an Besenreisern, bei den Frauen sind es 60 Prozent. Der Unterschied besteht daher nicht in der Häufigkeit, sondern in der Wahrnehmung. Frauen sprechen einfach häufiger über derart kosmetische Probleme, da Besenreiser an den Beinen gerade im Sommer bei kurzen Kleidern und Bademode eine Rolle spielen.

Männer waren von diesen ästhetischen Problemen bislang weniger betroffen. Allerdings zeigt sich auch bei den Herren der Schöpfung ein zunehmend hohes Körper- und Modebewusstsein. So tragen moderne Männer nicht mehr einfach irgendeine kurze Hose im Sommer, sondern setzen Trends und senden modische Signale aus (https://www.focus.de/kultur/mode/mode-trend-statt-tabu-kurze-hose_id_9161053.html). Kein Wunder, dass dazu dann auch die Beine frei von Besenreisern sein sollten. Die Behandlungsmöglichkeiten unterscheiden sich für die Geschlechter nicht. Alle Therapiemöglichkeiten, die Frauen offenstehen, gibt es selbstverständlich auch für Männer.

Die Folgeschäden von Krampfadern sind bei Männern meist gravierender als bei Frauen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass Männer Krampfadern als medizinisches Problem nicht wahrnehmen und den Gang zum Arzt aufschieben.

Krampfadern beim Mann

Was für Besenreiser gilt, zeigte sich in der Studie auch bei Krampfadern. In Deutschland sind 34 Prozent der erwachsenen Frauen von Krampfadern betroffen. 18 Prozent davon leiden zusätzlich unter Wassereinlagerungen und weiteren schweren Folgeerkrankungen. Der Anteil der betroffenen Männer ist mit 28 Prozent nur unwesentlich geringer, doch bei 15 Prozent von ihnen hat das Venenleiden bereits Folgeschäden hinterlassen. Das bedeutet unter dem Strich, dass jeder vierte Mann in Deutschland früher oder später von Krampfadern betroffen sein wird. Eine frühe ärztliche Abklärung ist aus diesen Gründen angesagt, damit sich die Folgeschäden eindämmen lassen. Denn die präsentieren sich bei Männern gravierender.

Das für Krampfadern typische Schweregefühl und Spannungen in den Beinen mit den charakteristischen Schwellungen ist zwar eher ein Frauenleiden. Doch Männer leiden häufiger an Ekzemen und Entzündungen der Hautpartien rund um die Krampfadern sowie Juckreiz. Hier sind nur 12 Prozent der Frauen, aber 15 Prozent der Männer betroffen. Das sogenannte offene Bein, die schwerste aller Folgeerkrankungen bei Krampfadern, tritt bei doppelt so viel Männern wie Frauen auf. Einer der Gründe hierfür ist, dass Männer meistens sehr spät erst zum Arzt gehen. Oft sind es die Frauen, die ihren Ehemann oder Partner endlich in die Praxis schicken, da Männer Krampfadern immer noch als ein rein kosmetisches Problem abtun und die unschönen Verästelungen dann meistens mit langen Hosen kaschieren. Bemerken Männer Krampfadern, sollten sie sich ihrem Hausarzt anvertrauen, der dann die Überweisung zum Venenspezialist veranlassen wird.

Beschwerden bei Krampfadern im Vergleich zwischen den Geschlechtern

Frauen

Schwere Beine: 24%

Spannungsgefühle in den Beinen: 15%

Neigung zu Schwellungen: 16%

Juckreiz und Ekzeme: 12%

Offene Beine: 0,2%

Männer

Schwere Beine: 11%

Spannungsgefühle in den Beinen: 9%

Neigung zu Schwellungen: 6%

Juckreiz und Ekzeme: 15%

Offene Beine: 0,4%

Ist es vielleicht ein Klischee, dass Männer den Gang zum Arzt aufschieben und die Folgeschäden verharmlosen? Eine Studie der Seiter Klinik, einem anerkannten Venenzentrum in Stuttgart, bestätigt die Haltung der Herren. An der Erhebung hatten knapp 3200 Patienten teilgenommen. Es zeigte sich, dass Männer ihre Krampfadern nicht einmal halb so oft wie Frauen therapieren lassen. Meist werden Zeitmangel oder andere Verpflichtungen als Grund angeführt, sich nicht mit Krampfadern auseinanderzusetzen. Da Krampfadern lange auch überhaupt keine Beschwerden verursachen können, sehen viele Männer einfach nicht die Notwendigkeit einer Behandlung.

Die Hälfte der befragten männlichen Patienten gab in der Studie daher an, die Krampfadern nicht bemerkt oder als nicht weiter tragisch empfunden zu haben. Zudem wird der Gang zum Arzt als peinlich empfunden, da viele Herren es als "unmännlich" sehen, mit einem ästhetischen Anliegen zum Arzt zu gehen. Denn nur 9 Prozent der Männer betrachten Krampfadern als ein ernsthaftes medizinisches Problem. Bei den Frauen beurteilen hingegen 53 Prozent der Patientinnen Krampfadern als Erkrankung. Selbst die Optik scheint Männer weniger zu stören. Nur jeder fünfte Mann gab in der Befragung an, dass er die Krampfadern als ästhetisches Manko sehe. Aus eigenem Antrieb gehen die wenigsten zum Arzt. Jeder zweite Mann wird von seiner Frau zum Venenfacharzt geschickt. In den nächsten Jahren werden sich die Zahlen etwas wandeln, da auch das Körperbewusstsein bei Männern zunimmt. Auch Frauen finden Männerbeine mit Krampfadern nicht attraktiv. Um die Lebensqualität und Attraktivität zu steigern, sollten Männer daher sofort einen Arzt aufsuchen, wenn sich die ersten Besenreiser zeigen. Oft kann dann noch, wie unser hauseigener Test zeigt, mit Cremes und Salben gegen Krampfadern behandelt werden.

Die Untersuchung beim Arzt

Untersuchungsablauf Krampfadern Arzt

Die Diagnose von Krampfadern ist bei beiden Geschlechtern einem identischen Verfahren unterworfen. Doch hilft es gerade Männern, sich die Prozedur bewusst zu machen, um zu erkennen, dass Krampfadern eben kein rein medizinisches Problem sind. Der Venenfacharzt wird den Patienten zu Beginn fragen, wie lange die Besenreiser oder Krampfadern schon bestehen. Weitere Fragen beinhalten das Auftreten von Krampfadern innerhalb der Familie und das Erörtern von Risikofaktoren wie Blutgerinnungsstörungen, Rauchen, Übergewicht, Lebensgewohnheiten und andere Erkrankungen. Danach betrachtet der Arzt die Beine des Patienten im Stehen und tastet sie nach sichtbaren Hautveränderungen, Krampfadern und Schwellungen ab. Ist die Haut in diesem Bereich wärmer oder druckempfindlich, kann der Mediziner daraus Rückschlüsse auf eine Venenentzündung ziehen.

So funktioniert die Ultraschalldiagnostik bei Krampfadern

Die Diagnostik mit Ultraschall zählt zum Standard bei Krampfadern. Dieses Verfahren ist schmerzlos und risikofrei für den Patienten. Der Arzt kann erkrankte Stellen im Venensystem auf einem Bildschirm darstellen, was ihm erlaubt, das Ausmaß der Krankheit exakt zu definieren. Diese Untersuchung dauert, je nach Vorkommen und Ausbreitung der Krampfadern, zwischen 5 und 20 Minuten. Zunächst wird ein Gel auf die Haut aufgetragen, damit keine Luft zwischen Schallkopf und Haut entsteht. Dadurch würde das Bild weniger klar werden. Anschließend wird der Schallkopf auf die betroffene Vene gehalten. Er sendet Ultraschallwellen aus, die durch die Haut ins Gewebe gelangen. Die unterschiedlichen Gewebeschichten absorbieren die Wellen und werfen sie in verschiedener Stärke zurück an den Schallkopf. Der empfängt die Signale und ordnet sie automatisch einer sogenannten Grauwert-Skala zu.

Dadurch ist es möglich, ein Schwarzweißbild auf dem Monitor des Arztes sichtbar zu machen. Bei der Doppler-Ultraschalluntersuchung treffen die Schallwellen auf die Blutzellen der Gefäße. Sie werden mit veränderter Frequenz zurückgeworfen. Wie stark die Veränderung ist, hängt vom Bewegungsmuster der Zellen ab. Die Richtung, in die sich die Blutzellen bewegen und ihre Geschwindigkeit, wird als Strömungsgeräusch oder in Form einer Kurve auf den Bildschirm projiziert.

Als die modernste Untersuchungsmethode bei Venenerkrankungen gilt der Duplexultraschall. Dieses Verfahren wird nicht nur zur Diagnostik, sondern auch zur Verlaufskontrolle bei Therapien und nach Operationen angewendet. Durch die Kombination der normalen Ultradarstellung mit der Blutströmungsmessung können sowohl oberflächliche Venen als auch tiefe Venen sowie die Arterien dargestellt werden. Es ist dem Arzt außerdem möglich, einen Blick auf das umliegende Gewebe zu werfen. Blut, das zum Ultraschallkopf fließt, wird Rot dargestellt, weg fließendes Blut in Blau. So kann der Arzt ein detailliertes Bild über Störungen an den Venenklappen, eventuelle Thrombosen und den Blutrückfluss in die unteren Extremitäten gewinnen. Auch eine Prognose über den Krankheitsverlauf bei Krampfadern lässt sich auf diese Weise stellen.

Mit einfachen Alltagstipps, die an die jeweilige Arbeitsumgebung angepasst sind, lässt sich schon viel für die Venengesundheit tun

Tipps bei Krampfadern in sitzenden Berufen

Neben der Arbeit im Büro sitzen auch Busfahrer, Fernfahrer, Piloten, Lokführer und Verkaufspersonal an der Kasse täglich stundenlang. Bei dieser Art Tätigkeit versackt das Blut leichter in den Beinen, denn beim Sitzen wird die Muskelpumpe weniger gefordert. Diese Tipps verbessern den Alltag in sitzenden Berufen bei Krampfadern:

  • Ergonomisches Sitzen: Der richtige Stuhl oder Sitz ist entscheidend. Denn durch die richtige Sitzfläche und Rückenlehne kann Haltungsschäden vorgebeugt werden, was auch die Venen danken. Zudem ist die Sitzhöhe wichtig. Die Füße sollten nicht in der Luft baumeln, sondern gerade auf dem Boden stehen. Ist das nicht möglich, hilft ein Hocker.
  • Pausen: Die Venen freuen sich, wenn langes Sitzen regelmäßig unterbrochen wird. Schon ein paar Runden im Zimmer oder auf dem Flur laufen hilft. Statt Aufzug heißt es, die Treppe zu benutzen und Kurzbesprechungen können im Stehen stattfinden.
  • Positionswechsel: Auch beim Sitzen kann die Haltung der Beine und die Position öfter gewechselt werden. Wenn keiner hinschaut, können die Beine auf einen Hocker oder Stuhl abgelegt werden. Notfalls den Chef um Erlaubnis bitten.
  • Dresscode: Hosen, Strümpfen und Gürtel sollten bei Venenleiden nicht einengen, damit die Blutzufuhr nicht behindert wird. Beim Kleiderkauf ist darauf zu achten, dass die Montur nicht nur im Stehen gut passt, sondern auch auf einem Stuhl sitzend noch bequem ist.

Tipps bei Krampfadern in Stehberufen

Einem Stehberuf nachzugehen bedeutet, rund 70 Prozent der Arbeitszeit auf beiden Beinen zu verbringen. Das ist im Groß- und Einzelhandel, im Hotel- und Gaststättengewerbe, im Gesundheitswesen und im Friseurhandwerk beispielsweise der Fall. Durch langes Stehen werden nicht nur Bandscheibenvorfälle begünstigt, sondern auch die Venengesundheit beeinträchtigt. Das Blut wird schlechter aus den Beinen zum Herzen transportiert, weil die Muskelpumpe unter Bewegung besser arbeitet. Denn die Bewegung fördert den Abfluss des Blutes aus den Beinen zum Herzen, was nicht nur die Venen entlastet, sondern den gesamten Bewegungsapparat kräftigt. Kleine Maßnahmen, die leicht durchzuführen sind, erlauben es Arbeitnehmern in stehenden Berufen, ihre Venen lange gesund und stabil zu halten.

  • Freizeit: Wer beruflich lange stehen muss, sollte in der Freizeit für Bewegung sorgen. Ausgleich schafft Sport. Besser als Gewichtheben im Fitnessstudio sind Radfahren, Schwimmen und Walken. Auch Wandertouren am Wochenende fördern die Venengesundheit.
  • Mittagspause: Auch wenn das Verlangen groß ist, nach langem Stehen in der Pause einfach nur zu sitzen, ist es bei Krampfadern besser, einen Spaziergang über Mittag zu machen. Danach kann eine kleine Ruhepause eingelegt werden, bei der idealerweise die Beine hochgelegt werden.
  • Bewegungseinheiten: Im Schnitt sollten in den Arbeitsalltag eine halbe Stunde Bewegung pro Tag integriert werden. Wann immer es möglich ist, sollte der längere Weg zum Lager, zur Toilette oder Räumlichkeiten der Kollegen gewählt werden. Wundert sich der Chef, sollte er über die Problematik informiert werden. Die meisten reagieren verständnisvoll, lässt sich auf diese Weise langfristig ein Krankenschein vermeiden.
  • Bei der Arbeit: Schon kleine Haltungsänderungen wirken Wunder. Auch auf die Zehenspitzen stellen oder am Platz laufen, unterstützt bei Krampfadern.
  • Bedarfssitz: Ist gerade keine Kundschaft im Laden, können Angestellte den Chef bitten, einen Stuhl oder Hocker aufstellen zu dürfen. Oft hilft es schon, sich zwischendurch einfach immer wieder einmal hinzusetzen. Daneben gibt es im Fachhandel sogenannte Stehhilfen.
  • Aufrechtes Stehen: Die Körperhaltung beim Stehen sollte aufrecht sein. So kann sich das Gewicht optimal über den ganzen Körper verteilen. Die Füße sollten hüftbreit zueinander stehen.
  • Schuhwerk: Schuhe mit abfederndem Fußbett machen einen langen Arbeitstag erträglich. Am besten zur Hälfte die Schuhe wechseln, da so die Füße durch eine neue Position entlastet werden.

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